„Elite-Bonds“ – in den Startlöchern?

Von Bastian Borck

Die Bundesregierung wehrt sich beharrlich gegen die Einführung sog. EURO-Bonds, also gemeinsamer Schuldpapiere aller EURO-Staaten. Eine Vergemeinschaftlichung der Schulden hätte für die Krisenländer Europas den Vorteil, niedrigere Zinsen für die Aufnahme neuer oder Prolongation bestehender Schulden zu bezahlen. Die Länder, die im Moment noch gute Refinanzierungsmöglichkeiten am Kapitalmarkt haben, befürchten, dass die Sparanstrengungen der Krisenländer nachlassen und die eigene Kreditwürdigkeit und ggf. auch das eigene Rating gefährdet werden können.

Nachdem in der vergangenen Woche EU-Kommissionspräsident Barroso seine Ideen für gemeinsame Anleihen aller 17 Euro-Länder präsentiert hat, berichten etliche Zeitungen heute von Plänen einiger starker EURO-Länder, sog. „Elite-Bonds“ herauszugeben. Demnach gibt es Überlegungen, dass Deutschland gemeinsam mit Frankreich, Finnland, Luxemburg, Österreich und den Niederlanden gemeinsame Schuldverschreibungen ausgeben könnte.

Aktuell könnte der Zinssatz von „Elite-Bonds“ zwischen 2,0 und 2,5% liegen und damit nur geringfügig oberhalb der aktuellen Rendite von Bundesanleihen, aber deutlich niedriger als die Zinssätze, die von den Krisenländern der EURO-Zone bezahlt werden müssen. Am Ende der vergangenen Woche stieg die Rendite 2-jähriger italienischer Staatsanleihen auf sagenhafte 7,8%. Dieser Anstieg ist Beleg dafür, wie kritisch die Lage in Italien ist. Der neue Ministerpräsident Monti versucht mit weiteren Sparankündigungen und weiteren Reformanstrengungen das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen.

Zusammen mit den Plänen zu „Elite-Bonds“ besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass die sechs stärksten EURO-Länder sich als erstes bei dem Thema Fiskalunion zusammentun und eine gemeinsame Wirtschafts-, Haushalts- und Finanzpolitik umsetzen. Damit wird gleichzeitig der Druck auf andere Staaten erhöht, sich auf Änderungen der europäischen Verträge einzulassen und neuen Stabilitätskriterien zuzustimmen.

Es bleibt abzuwarten, welche Wirkung die Diskussion über Elite-Bonds entfaltet oder ob die Androhung einer Spaltung dazu führt, dass noch ganz andere Denkansätze geäußert werden.


Aktualisiert am 28. November 2011 | Tags: ,