Matej Meyer bietet den Profis die Stirn

Von Axel L.

Endlich durfte sich Matej Meyer wieder mal so richtig austoben auf einer Strecke, die wie für ihn gemacht war. Nach knüppelharten 117 Kilometern, garniert mit 3200 Höhenmetern, rollte der 26 Jahre alte Mountainbiker vom Team Germina degere völlig erschöpft, aber glücklich über den Zielstrich. „Ich bin mehr als zufrieden. Das war der Wahnsinn“, sagte der Eisenacher, der beim top besetzten 16. Internationalen Spessart-Bike-Marathon im unterfränkischen Frammersbach unter 130 Startern über die ganz lange Distanz auf einen sensationellen neunten Platz gefahren ist.
„Diesmal hat alles funktioniert“, sagte Meyer, der die Strecke in 4:37:50 Stunden bewältigte und sich damit als ambitionierter Amateurfahrer unter den Profis beeindruckend behauptete. Auf Gewinner Matthias Leisling aus Mehring hatte er 22:11 Minuten Rückstand. Angesichts der Konkurrenz, mit Blick auf die Länge und das Profil der Strecke ist diese Leistung mehr als erstaunlich. „Das war gar nicht so weit weg von der Spitze“, sagte Meyer glücklich im Ziel. Sieger Leisling zum Beispiel fuhr in diesem Jahr auf Rang vier bei der Deutschen Marathon-Meisterschaft in Singen und hatte die vergangene Saison auf Rang 14 der Marathon-Weltrangliste beendet. Rang zwei belegte mit einem Rückstand von 4:40 Minuten der Freiburger Tim Böhme, der 2011 bei der Marathon-EM die Bronzemedaille erobert hatte. Dritter wurde Roland Golderer (Keltern/+6:24 Minuten).
Während auf dem EM-Kurs von 2005 ganz vorn die Profis knallhart das Tempo forcierten, reihte sich Matej Meyer auf der in zwei Runde aufgeteilten Strecke in den Kampf um einen Top-Ten-Platz ein. Je länger das Rennen dauerte, umso wohler fühlte sich der Eisenacher auf seinem grauen Germina-Rad. Beflügelt von den zahlreichen Fans an den Anstiegen, setzte er sich auf der zweiten Runde bei der Bergauffahrt auf einem Asphaltabschnitt von seinen Begleitern ab und fuhr auf den neunten Rang, den er bis ins Ziel behauptete. „Die Strecke war perfekt für mich. Anspruchsvolle Berge und Abfahrten, die auf mich zugeschnitten waren“, sagte Meyer.
Auf den letzten Kilometern hatte er nur noch eine Sorge: Möge doch bitte das Material dem Lohn für die Qualen im Sattel keinen Strich durch die Rechnung machen. „Ich habe gebetet, dass ich heil ins Ziel komme“, sagte Meyer, der in diesem Jahr schon vom Riss der Kette und einem Plattfuß gebeutelt war. Diesmal hat aber alles gepasst. Sogar auf das Podest durfte Matej Meyer klettern, wo die besten zehn Fahrer gefeiert wurden.  Dafür hat die Kraft dann trotz aller Strapazen noch locker gereicht.

 

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Aktualisiert am 15. Juli 2012 | Tags: , , , ,