Matej Meyer mit Gänsehaut auf das Treppchen

Von Axel L.

Nach dem Rennen stand Matej Meyer glücklich auf dem Siegerpodest, als Lohn hielt er einen selbst geschnitzten Nussknacker als Trophäe in den Händen. Ein paar Minuten zuvor hatte er selbst mit viel Biss einen seiner größten Erfolge gefeiert. „Ich kann noch gar nicht glauben, dass ich das geschafft habe“, sagte der 26 Jahre alte Eisenacher noch einen Tag nach dem Rennen, nachdem er beim 20. Erzgebirgs-Bike-Marathon in Seiffen auf der 102 Kilometer langen Strecke unter 242 ins Ziel gekommenen Fahrern auf einem sensationellen dritten Platz gelandet war. „Das ist eine der größten Veranstaltungen dieser Art in Deutschland. Hier auf dem Podest zu stehen, darüber bin ich sehr stolz“, sagte der Radsportler vom Team Germina degere.
Auf dem Weg zum großen Triumph durfte Matej Meyer sogar noch so etwas wie Tour-de-France-Atmosphäre genießen. Als er sich bereits auf den dritten Platz vorgekämpft hatte, feuerten ihn hunderte Fans auf dem letzten Asphaltanstieg etwa einen Kilometer vor dem Ziel an. „Das war ein unbeschreibliches Erlebnis. Das war Gänsehaut pur“, sagte Meyer, der von den Zuschauer regelrecht ins Ziel getragen wurde.
Dass er auf der Marathonstrecke, die mit 2700 Höhenmetern den Fahrern alles abverlangte, zwei Athleten den Vortritt lassen musste, fiel nicht ins Gewicht. Der Alacher Christian Kreuchler sicherte sich in 4:08:02 Stunden den ersten Platz. Genau 4:18 Minuten dahinter landete Sebastian Stark aus Dresden, der sich vor zwei Wochen die Qualifikation für die Marathon-WM am 7. Oktober  im französischen Ornans gesichert hatte. Lediglich 87 Sekunden hinter Stark überquerte Meyer den Zielstrich.
Gezielt hatte sich der Eisenacher auf das Rennen in Sachsen vorbereitet, wo er zur 20. Auflage zum siebenten Mal dabei war. „Ich kenne dort die Strecke ganz genau. Das war sicher kein Nachteil“, sagte Meyer,  der im vergangenen Jahr auf Gesamtrang neun gefahren war. 2006 war er hier sogar schon mal Fünfter geworden.  Allein das war bereits ein Erfolg. Nun aber wollte er noch mehr. Abgesehen vom Profil der Strecke, die in drei Runden aufgeteilt war, sorgte der Regen der vergangenen Tage zusätzlich für harte Bedingungen.  „Auf diesem Kurs konnte man sich nicht ausruhen. Man musste jede Sekunde hellwach sein“, sagte Meyer.
Weil alle knapp 1500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer per Massenstart ins Rennen geschickt wurden, gab es gleich nach dem Startschuss keine Chance zum Taktierten. „Ich wusste nicht genau, auf welchem Platz ich liege. Ich habe einfach nur Tempo gemacht und Vollgas gegeben“, sagte der Eisenacher, der es dabei aber dennoch schaffte, seine Kräfte optimal einzuteilen. Als sich die Reihen auf der letzten Runde gelichtet hatten und er auf Rang sieben einsortiert wurde, arbeiteten seine Beine wie die Räder in einem perfekt funktionieren Uhrwerk. „Ich habe mich gut gefühlt und konnte mich weiter nach vorn arbeiten“, sagte Meyer mit Blick auf die entscheidenden Kilometer des Rennens, die noch eine Schrecksekunde bereithielten, als sich die Kette in der Schaltung verfing und so wertvolle Sekunden verloren gingen.
Dann aber gab es kein Halten mehr: Während ganz vorn Kreuchler und Stark dem Ziel entgegenfuhren, überholte der junge Eisenacher mit Andi Weinhold aus Marienberg den Mitteldeutschen Cross-Country-Meister der vergangenen Saison und war am Ziel seiner Träume. „Auf Platz drei zu fahren, das war der Hammer“, sagte Meyer, der im Ziel glücklich seinen Nussknacker in den Händen hielt. Wer aus solchem Holz geschnitzt ist, kann eben auch in Seiffen auf das Treppchen fahren.

 

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Aktualisiert am 15. August 2012 | Tags: , , ,